Die Pro Card Inflation | Body-Xtreme 

Montag, 27 08 2012

Die Pro Card Inflation

Amerikaner vergeben immer mehr Pro Cards

Die Pro Card erlaubt den Bodybuilding Athleten/-innen, die Teilnahme an den IFBB Profi Wettkämpfen, mit Ausnahme der Olympia Wettkämpfe und der Arnold Classic, für die man sich separat qualifizieren muss, bzw. eingeladen wird. Gleichzeitig darf man also Profi nicht mehr bei den Amateurwettzkämpfen, zb, einer Hessen oder Deutschen Meisterschaft starten.

Kurze Fakten

Die IFBB ist nämlich unterteilt in eine Amateursektion, die u,a, die Landes-, National (außer USA) und Weltmeisterschaften ausrichtet, sowie eine Profisektion, die aus einer Serie von Grand Prix besteht, bei denen die vordersten Plätze immer Preisgeld erhalten. Die bekanntesten Wettkämpfe "Arnold Classic" und "Mr. Olympia" sind Profimeisterschaften.

Wie wird man eigentlich Profi?

Schauen wir uns zunächst die Situation in den USA an; dort erhält man die Pro Card auf einer der drei großen Wettkämpfe, der USA, Nationals oder North American.

Für den Rest der Welt gelten seit 2011 neue Regeln: Man muss einen Medaillenplatz bei der Weltmeisterschaft oder den Kontinentalmeisterschaften bzw. der Arnold Amateur belegt haben.

Die Amerikaner vergeben immer mehr Pro Cards

Im letzten Jahr gab es 4 Procards  bei den Männern bei jeder der drei großen Meisterschaften in Nordamerika; dieses Jahr sind es schon 7 an der Zahl. Insgesamt wurden bei der NPC USA in Las Vegas 53 Procards vergeben. Dies beinhaltet auch das Frauen Bodybuilding, Figure, Bikini und Women Physique Division, sowie Men Physique Division.

Bei den NPC Nationals 2012, dem zweiten großen Amateurwettkampf, werden dieses Jahr allein 14 Procards im Männerbodybuilding vergeben, 2011 waren es noch 7. Insgesamt, inklusive aller anderen Klassen, werden 62 Procard dort vergeben. Das sind allein bei diesen beiden Wettkämpfen schon 115 Procards, inklusive 21 Procards für das Männerbodybuilding.

Wenn man bedenkt, das in Deutschland selbst der Gesamtsieger der "Deutschen Meisterschaft" Horst Wetterau keine Procard bekommt, und selbst die versprochene Pro Card für den Gesamtsieger der "Int. Deutschen Meisterschaft" im letzten Jahr, Steve Benthin, war aufgrund des neuen Regelments nur mit Schwierigkeiten zu realisieren.

Warum so viele Pro Cards in den USA und so wenig beim Rest der Welt?

Sind unsere Athleten schlechter als die amerikanischen, haben sie eine schlechtere Form, Konditionierung, Struktur oder sonstiges? Wenn man in die Vergangenheit schaut und Andreas Münzer, Roland Cziurlok, Gunter Schlierkamp, Dennis James und Markus Rühl betrachtet. Wenn man sich heute Ronny Rockel oder Dennis Wolf anschaut, dann sieht man ob früher oder heute...die deutschen Jungs haben das nötige Rüstzeug, um in Amerika nicht nur zu bestehen, sondern auch um ganz vorne mitzuspielen und eine ernsthafte Konkurrenz darzustellen.

Daran kann es also nicht liegen.

Der Gesamtsieger der "Deutschen Meisterschaft" von 2012, Horst Wetterau, war massiv, konditioniert und trocken. Seine bisher beste Form. Der Gesamtsieger der "Int. Deutschen Meisterschaft" von 2011 Steve Benthin, war voll, rund, massiv, detailiert und hart. Nehmen wir den Markus Hoppe, Sieger der Männer 5, der "Int. Deutschen Meisterschaft" 2011 und Kenny Keuscher, Sieger der Männer 4.. Beide waren in ihrer absoluten Bestform, wobei Kenny noch mehr klassische Form besitzt und an Flex Wheeler erinnern könnte. Markus ist sehr massiv aber bei guter Linie und Struktur. Eigentlich absolut Procard würdig! Alle diese Jungs, auch im Vergleich mit den Procard Gewinnern aus den USA von 2011, sind auf jeden Fall gleichwertig!

Übersicht der Pro Card Gewinner der US Meisterschaften 2011

Steve Kuclo SHW Todd Jewell SHW Juan Morel SHW
Jon Delarosa HW An Nguyen HW Kenneth Jackson HW
Tamer El-Guindy LHW Marco Rivera LHW
Luis Santa MW Allen Bailey MW
J.B. Bartlett WW
Louis Santiago LW
Ron Hackaspker BW

Trotz Pro Card Option nehmen viele Amerikaner nie an Profiwettkämpfen teil

Von diesen 13 neuen Profi's der letzten Jahren haben bisher erst 6 (Kuclo, Delarosa, Santa, Nguyen, Rivera, Morel) an einem Profiwettkampf teilgenommen.

Auch von den anderen US-Wettkämpfen und Jahrgängen gibt es eine nicht kleine Zahl an Profianwärtern, die aber nie an Wettkämpfen teilnehmen, teilweise aus ganz realistischen Gründe, da vielleicht das Potential dafür nicht gesehen wird.

Der IFBB Präsident meldet sich zu Wort

IFBB Präsident Dr. Dr. Rafael Santonja erklärte uns in einem Interview wieso es so krasse Unterschiede in der Procardvergabe zwischen den USA und dem Rest der Welt gibt; die USA haben mit der NPC eine eigenständige Amateurliga, die zwar nach den Regeln und der Struktur der IFBB unterworfen ist, aber bei der Pro Card eigene Wege geht. So möchte die IFBB Ihre Elite aus den jeweiligen Nationen auch in den Kontinental- und Weltmeisterschaften antreten lassen, BEVOR diese zur den Profis gehen.

Wie zuvor geschrieben bedeutet der Profistatus auch, dass man danach nicht mehr bei den Amateurwettkämpfen teilnehmen kann.

Würde man also jedem nationalem Klassensieger die Pro Card geben, dann würde die Elite den Weg über eine Weltmeisterschaft gar nicht mehr gehen - teilweise auch schade für die Athleten, denn bei den Profis werden sich viele Amateure letztlich gar nicht durchsetzen.

Pro Card Inflation in den USA - Pro Card Mangel im Rest der Welt?

Man hat also auf der einen Seite in den USA schon so viele Pro Cards, dass NPC-Athleten eine Option erhalten, die die Pro Card gar nicht wollen, bzw. gar kein Potential haben, um erfolgreich Profi zu werden - auf der anderen Seite den Rest der Welt von IFBB Amateuren, die um einen Bruchteil von Procards kämpfen.

Der IFBB Präsident dazu: "Die IFBB stellt mit der Regelung wirkllich sicher, dass wirklich nur die besten der Besten den Weg zur Pro Card nehmen und unseren Verband und Ihr jeweiliges Land würdig bei den Profis vertreten."

Recht hat er! Bei einigen Profis fragt man sich wirklich, wie sie jemals den Status erreichen konnten, bzw. verlieren sie sich als ehemalige Bantam- oder Leichtgewichtler im Profilineup.

Trotzdem wäre es sicherlich im Sinne der Athleten, wenn die NPC nicht noch weiter inflationär an der Pro Card Schraube dreht und die Klufft zwischen amerikanischen und internationalen Athleten weiter auseinander treibt.

Mehr aus unserer wöchentlichen Kolumne USA Update von unserem Teammitglied Christian

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